von Martina Hoffmann

Nach langer Pause konnten wir wieder einen Raku-Kurs anbieten: Herstellung von kleineren Objekten an 3 Terminen in der Werkstatt der Keramikerin Anke Otto.

Raku-yaki, Raku-Keramik, wird ohne Töpferscheibe aus hochschamottiertem Ton, von Hand hergestellt.

Die Raku-Technik soll in der Tenshō-Ära (1573 – 1592) über Korea nach Kyōto gekommen sein und sich dort unter der Leitung des berühmten Teemeisters Sen no Rikyu weiter entwickelt haben.

Charakteristisch und unverzichtbar für diese Keramik ist die besondere Brenntechnik. Nach dem obligatorischen Schrühbrand (Rohbrand) und dem Auftragen der Glasuren folgt der Oxidationsbrand in einem Gasofen. Hier schmelzen bei 1000ᵒC bis 1040ᵒC die Glasuren. Ihre Mineralsalze verwandeln sich durch Oxidation in die gewünschten Farben. Nach etwa 20 Min. wird dieser Oxidationsbrand durch Öffnen des Ofens beendet.

Bei unserem ersten Treffen durften wir zunächst aus einem tennisballgroßen Tonklumpen ein „Daumen-Schälchen“ und daraus einen Teebecher mit breitem Fuß herstellen.

Anke Otto musste wohl geahnt haben, dass wir im Kopf noch weitere Objekte geplant hatten, und machte uns auf verschieden große Gipsschalen in einem Regal aufmerksam. Diese würden uns helfen, in der relativ kurzen Zeit noch ein zweites oder sogar drittes Objekt herzustellen. Es entstanden Ikebana Gefäße, kleine Töpfchen und Becher, eine große Schale und andere Überraschungs-Objekte.

Nach einer längeren Pause von etwa drei Wochen kamen wir wieder in der Werkstatt von Anke Otto zusammen, diesmal zum Glasieren. Die ursprünglich verwendeten Bleiglasuren werden heute durch andere, weniger giftige Glasuren ersetzt. Uns standen ein dunkles Grün, gedecktes Gelb und ein zartes Blau zur Verfügung. Die Überlegungen bezüglich der Verteilung freier Flächen, die im Reduktionsbrand schwarz gefärbt würden und den farbig glasierten Flächen auf der Oberfläche unserer Objekte, machten uns Kopfzerbrechen. Wir mussten schließlich lernen, dass auch der Zufall hier ein Wörtchen mitredet.

Schon am nächsten Morgen sollten die zwei abschließenden Brände stattfinden. Der Gasofen wurde erst mit den größeren Arbeiten bestückt und langsam hochgeheizt. Drei Beobachtungslöcher in dem Schamottedeckel erlaubten uns, das Verhalten unserer Tonobjekte bei ansteigenden Temperaturen zu beobachten. Bei etwa 800 ᵒC fing die Glasur an, ihre Farbe zu verändern in Richtung „gewünscht“, bei etwa 1000 ᵒC wurden kleine Blasen in der aufgetragenen Glasur sichtbar, die dann langsam als glänzender Belag auf den hellrot glühenden Objekten lagen. Nach etwa 20 Min., bei 1040 ᵒC, durfte der Deckel geöffnet werden. Alles war unbeschadet, noch. Anke Otto hatte sich inzwischen einen feuerfesten Schutzanzug angezogen. In einiger Entfernung standen 4 großräumige Emaille Töpfe mit angelehnten Deckeln bereit, zu einem Drittel mit Hobelspänen gefüllt. Nach und nach wurden nun die glühenden Teile mit einer langarmigen Metallzange aus dem Ofen heraus in die Töpfe befördert, wo die Späne sofort Feuer fingen. Nach Zugabe einiger Hände voll Spänen konnten wir die Deckel schließen, die Sauerstoffzufuhr war abgeriegelt. Die Objekte waren jetzt im sogenannten Reduktionsbrand, schwarzer Ruß drang tief in die glühend heiße Tonschicht ein und verband sich mit ihr. Durch die Abkühlung auf dem Weg vom heißen Ofen zu den Töpfen, war das feine Krakelee entstanden, das so typisch für Raku-Keramik ist.

Nun hieß es weiter warten. Die mit feuchten Tüchern zugedeckten Töpfe kühlten nur langsam ab und dann kam der Moment, auf den wir fast drei Wochen gewartet hatten: Mit Schwämmen, Stahlwolle und Wasser wurde nun die Oberfläche der abgekühlten Objekte gereinigt. Die Glasur kommt jetzt glänzend und farbig ans Licht. Die feinen Krakelee-Linien bilden ein zartes Geflecht, das zum Teil engmaschig, z.T. weitläufig die Oberfläche der Glasur durchzieht.
Nach dem Schrubben der Werke waren wir uns einig, wir mögen unsere Raku-Yaki sehr, ihre Anmutung hat etwas Archaisches, der Prozess ihrer Entstehung war aufregend.

Raku-Workshop in Oldenburg 2016
Markiert in:         

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.